Ich hätte da mal ein Problem …

Wer kennt ihn nicht, diesen Satz, der permanent immer dann fällt, wenn man sich gerade drauf freut, irgendwas Tolles zu machen. Einen Film schauen, Musik hören, mal früh zu Bett gehen oder einfach nur faulenzen und in sich rein hören.

Ich nehme mal die Gelegenheit wahr, hier etwas klar zu stellen. Mir ist bewusst, dass Probleme kein spezifisches Gewicht haben. Wie bedrückend eine Sorge ist, hängt von jenem ab, der sie hat. Für ein Kind geht mit dem abgefallenen Teddykopf die Welt unter, wer nicht viel Geld hat, für den kommt die Welt ins Schwanken, wenn auf einmal eine große Forderung im Briefkasten liegt, wer mehr Geld hat, sorgt sich vielleicht darum, dass seine Kinder Probleme machen oder das Geld, dank geringer Zinsen immer weniger. Wer Angst vor dem Alleinsein hat, fürchtet den Verlust des Partners … Das ließe sich beliebig fortsetzen.

Und tritt der schlimmste, anzunehmende Fall ein, oder glauben wir ihn zumindest gefährlich nah, sind wir oft vor Verzweiflung wie gelähmt, uns fallen die naheliegendsten Lösungen nicht mehr ein. Dann muss ein freund oder Familienmitglied ran.

„Ich habe da mal ein Problem …“

Ein Sprichwort besagt, dass ein echter Freund niemals fragt „Was?“ sondern immer nur „Wo bist Du?“ und leider hängen viele Menschen ihre Messlatte auch so hoch, was echte Freundschaften angeht. Nur leider sind die wenigsten, die das tun, auch bereit, das gleiche für andere zu leisten.

Ironischerweise nehmen jene, die immer helfen, für sich selbst relativ selten Hilfe in Anspruch. Und das ist nicht fair.

Deshalb an dieser Stelle mal eine Bitte. Liebeskummer hat jeder von uns im Leben mal. Und alles, was ein Freund dazu sagen kann, weiß man schließlich auch selbst. Auch zum Ausfüllen irgendwelcher Dokumente benötigt man nur in Ausnahmefällen wirklich die Hilfe eines überlasteten, müden Freundes – oft reicht es, nett und freundlich auf den Ämtern dar zu legen, was man nicht verstanden hat und sich helfen zu lassen.

Und selbst was Geldsorgen angeht … Leute, überlegt Euch genau, wen Ihr bittet und ob das wirklich sein muss. Jemand, der das Wenige, was er hat mit Euch teilt, hat dann selbst Sorgen – durch Euch.

Ich spreche aus Erfahrung, wenn ich Euch sage: Freunde die immer, wegen jedes Pupses und jedes Wölkchens gleich einen Aufruhr veranstalten, als sei die welt am untergehen, sind irgendwann keine echten freunde mehr. Nach und nach werden sie einfach nur noch nervend und lästig. Glaubt Euch nicht auf der sicheren Seite, nur weil das Gegenüber sowas Böses nie aussprechen würde. Denn vielleicht in dem Moment, in dem Ihr mal wirklich Hilfe von ihm braucht, ist er so entkräftet und gereizt, dass er trotz aller Vorbehalte „Nein“ sagt.

Verlangt von Freunden niemals mehr, als Ihr selbst auch ebreit wärt zu geben. Und messt dabei bitte mit dem gleichen Maß.

Xela

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