Geldanlage Schmuck

Wenn ich wieder einmal mit Freunden über die Trödelmärkte strolche, Ebay durchforste oder meine heiß geliebten Schätzchen poliere, provoziert das immer wieder Bemerkungen wie.

„Möchte nicht wissen, was das wert ist!“

In den Köpfen er Menschen sitzt noch viel zu fest der Irrglaube, wenn man viel Schmuck aus Edelmetall günstig erwerbe, sei man ganz schnell reich. Auch einige Arbeitsagenturen unterliegen diesem Irrtum und verlangen bei einer Schmucksammlung sehr schnell deren Auflösung, ungeachtet der Tatsache, dass oftmals bereits eine einigermaßen gepflegte Briefmarkensammlung im Wert erheblich höher liegt.

Rechnen wir also mal ein klein wenig. Dabei sei vorausgesetzt, dass der Betreffende nicht gerade Stücke aus der Werkstatt von Lalique oder Fabergé besitzt (darauf kommen wir am Ende noch einmal zurück).

Sollten wir in Geldnot geraten, ist ein Silber- oder Goldring nicht mehr wert, als das Material aus welchem er besteht. In einer Scheideanstalt müssen wir davon sogar noch die Steine ausnahmen.

Wieviel Silber müssten wir z.B. besitzen, um 100 Euro zu bekommen? Gehen wir von einem aktuellen Silberpreis von 26 Euro pro Feinunze (31,1034768 g) stellt sich das rechentechnisch so dar:

26€ /31,17g= 0,836 €/g

Ein Gramm hat also einen ungefähren Wert von 84 Cent.

100 € / 0,84 € = 119 (gerundet)

Wir bräuchten 119 Gramm Silber. Nun ist das aber nicht alles. Denn das helle Metall ist in seiner Reinform nur als Münze oder Barren o.ä. erhältlich. Die bei Schmuck am häufigsten verwendete Legierung (heute) ist Sterlingsilber, mit einem Silbergehalt von 925/1000.

Das wären also 92,5 % Silbergehalt. Wir müssten zu den 119 Gramm daher noch 7,5 % dazurechnen.

Dann sind wir bei 128,65 Gramm. typische Silberringe wiegen zwischen 2 und 4 Gramm. Wir bräuchten also rund 50 Ringe, um 100 Euro Materialpreis von einer Scheideanstalt zu bekommen.

Wenn ich nun jeden Ring für 2 Euro gekauft habe … habe ich noch nicht einen Pfennig verdient. Und, Hand aufs Herz, wo bekommt man Silberringe für 2 Euro?

Die gleiche Rechnung können Sie nun für Gold aufmachen. Der heutige Goldpreis liegt dabei bei 22,16 € je Gramm.

Sie müssten einen Ring von 3 Gramm Goldgewicht und einer Legierung von 333/1000 unter 22,16 € kaufen, um dabei Gewinn heraus zu schlagen.

Mein Rat – Finger weg von solchen Aktionen.

Wie verhält es sich nun mit Markenschmuck oder Schmuck bekannter Hersteller?

Der Schmuck aus den Werkstätten von Lalique ist nicht so teuer, wegen seines Materials, sondern wegen der, ihm innewohnenden, Kreativität und der Tatsache, dass Lalique tot ist und daher kein neuer Schmuck von ihm auf den Markt kommt, er also rar ist.

Darüber hinaus ist der Markt dort, auf Grund der exorbitanten Preise, für Kleinstanleger uninteressant. Wobei ich nicht abstreite, dass man natürlich das unfassbare Glück haben kann, sowas auf dem Trödelmarkt zu finden – aber irgendwer gewinnt auch den Jackpot im Lotto – trotzdem lohnt es nicht, drauf zu hoffen, das man das selbst ist.

Und last but not least spielt auch die Mode eine Rolle. Goldringe des mittleren und unteren Preissegments aus den Anfangsjahren des 20.Jhd. bekommt man heute recht günstig. Niemand trägt solche Klunkern heutzutage (der Preis ist aber immer noch zu hoch, als dass er die Scheideanstalt interessant machen würde).

Kaufen Sie Schmuck, weil sie ihn lieben. Die glitzernden kleinen Zeitzeugen werden auch ihren Kindern und Enkeln noch Freude machen, vor allem, da selbstredend ihr Wert im Laufe langer Zeiträume steigen wird, da sie immer schwerer im Handel erhältlich sein werden.

Doch als Kapitalanlage setzen Sie lieber auf die altbewährten Methoden, sonst machen Sie ganz schnell eine finanzielle Bauchlandung.

Xelanja

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