Die Schuldfrage

Schuld, im Großen, wie im Kleinen, moralisch, als auch die durch das Gesetz festgelegte, die nicht immer mit ersterer konform gehen muss, ist eine seltsame Sache.

Vor einigen wopchen machte eine Meldung die Runde, dass ein verurteilter Mörder eine Entschädigung vom Gericht zuerkannt bekam, da die Behandlung durch die Behörden ihm psychischen Schaden zugefügt habe.

In diesem Falle fragt man sich ja wohl wirklich, ob hier die nicht dem gesunden Gerechtigkeitsempfinden Hohn gesprochen, den Opfern bzw. deren Angehörigen, ins Gesicht geschlagen wurde.

Unser Recht verkommt immer mehr zu einem schutz der Täter und Verurteilung der Opfer, so muss man das leider sagen.

Doch wie verhält sich das nun eigentlich mit der Schuld, die uns von Kind an begleitet? Die schuld, Mutters Lieblinsgvase heruntergeworfen zu haben, schuld an der Scheidung unserer Eltern zu sein, Schuld, zu dumm zu sein, um den Erwartungen unserer Partner zu genügen oder was der Vorwürfe und Selbstvorwürfe mehr sind?

Die Justiz kennt viele Täter, die früher zunächst Opfer waren – und erkennt das, oft genug, als mildernden Umstand an. Zu Recht?

Ich denke, in Einzelfällen – ja, meist aber nicht. Es mag sein, dass meine Kindheit „schuld“ daran war, dass in meinem Leben einiges verquer lief. Doch als geistig gesunder Mensch, indem ich mich mit anderen vergleiche, mit anderen kommuniziere, lerne ich, günstigstenfalls, dass ich etwas verändern muss und vielleicht Hilfe suchen.

Wer dazu in der Lage war und dennoch keine Hilfe gesucht hat, der verdient keine mildernden Umstände, der ist in vollem Maße schuldfähig und hat mit absolut allen Konsequenzen zu leben, die das mit sich bringt.

So viele Dinge sind in unserer Gesellschaft „Rechtssprechung“ und nicht allgemeingültiges Gesetz. Doch seltsamerweise ist das scheinbar besonders oft dort so, wo es um die Interessen der Opfer geht – die der Täter werden konsequent geschützt. Läuft da nicht was schief? Sollten wir nicht manchmal an die Stelle von Juristen, Menschen setzen, denen ihr gesundes Rechtsempfinden noch nicht abhanden gekommen ist und ihnen auch die Macht in die Hände geben, ein Urteil vielleicht nicht zu fällen, aber zumindest zu beeinflussen?

Ich glaube, Buddha war es, der sagte, es sei müßig, über der Existenz Gottes zu brüten. Da die Frage nicht zu beantworten ist und, falls es Gott gibt, er es ja scheinbar vorzieht, uns bewusst im Unklaren zu lassen, die Grübelei in jedem Falle nichts sei, als vergeudete Zeit.

Es war Richeleu, der in seinem Testament sagte, da Vernunft gottgegeben sei, sei es die Pflicht des Menschen, sie zu benutzen und ihr zu folgen.

Wir allerdings, schlagen die Vernunft heute oft genug ins Gesicht und verlangen dann noch, dass sie lächeln soll. Und dann argumentieren wir mit unserem formal-gutem Gewissen.

Jeder einzelne Moment Eures Lebens kann der Punkt 0 sein. Es liegt bei jedem, geistig gesunden, Menschen selbst, zu sagen „Bis hierher und stop!“

Es liegt auch bei jedem selbst, die Welt, ab diesem Moment, ganz bewusst aus eigenem Willen wahr zu nehmen.

Dieser und jener Mensch, oder aber ihr selbst, hat Euch etwas angetan. Doch jetzt, in diesem Moment, ist das Vergangenheit, nicht mehr zu ändern. Jede weitere Minute, jeder Gedanke, den wir daran verschwenden, ohne den Versuch, die Sache endlich ab zu haken und nur noch als „Historie“ wahr zu nehmen, ist nutzlos und raubt uns mehr von unserem restlichen Leben als es das Ereignis ohnehin schon getan hat.

So zu denken ist schwer, sich in jedem Moment an diesen Entschluss zu erinnern, ist grausam, ihn zum Richtwert jeder zukünftigen Minute zu machen – Folter. Aber so und nur so bekommen wir das Leben zurück, das jeder von uns verdient, das ihm, im Moment seiner Geburt zugedacht war.

Wir sind weder unserer, noch der Schuld anderer ausgeliefert. In dem Moment, wo wir das begreifen können und es nicht tun, stattdessen lieber andere verletzen, als gegen unsere eigenen Dämonen zu kämpfen, machen wir uns erst tatsächlich schuldig und dann mag vielleicht der Staat noch ein paar Ausreden für uns auf Lager haben, wir selbst sollten sie aber nicht mehr finden.

Die einzigen Richter, die uns von der Vergangenheit freisprechen können, sind wir selbst, jeden Tag, jede Stunde, jeden Augenblick.

Xela

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