Hallo Mama!

Die Jahre sind vergangen, ich schaue zurück. So Vieles, was irgendwann bedeutungsvoll schien, ist in der Erinnerung nur noch ein flüchtiger Hauch, so wie die Spur einer Feder, die einmal sanft übers Leben streifte. Andere Dinge, unbedeutend, winzig, haben ihren Stempel im Leben hinterlassen wie ein Petschaft im Siegellack.

Nein. Das konntest Du nicht wissen. Wie auch? Ich wusste es ja selbst nicht und schließlich war es doch zuerst MEIN Leben.

Du warst mir zu kalt, ich war Dir zu emotional, zu aufbrausend zu … zu eben. Vielleicht hätten wir uns verstehen können, hätten wir uns auf der Mitte getroffen. Doch Du warst „Mutti“ und ich war nur ich, eben eins von 5, scheinbar die Ungeliebte, die Unverstandene.

Weißt Du, ich habe Dich niemals gehasst, auch wenn ichs gesagt habe. Damals wusste ich noch gar nicht, was Hass überhaupt ist. Es war nur ein tolles Wort, eins, von dem ich wusste, dass es Dich verletzen kann.

Ich wollte liebgehabt werden, auf eine Weise, die ich verstehen konnte und habe niemals begriffen, dass Du genau das Gleiche gehofft und immer wieder versucht hast. Nur eben auf Deinem Weg, den ich nicht verstehen gelernt hatte.

Und heute sind meine eigenen Kinder erwachsen und ich sehe sie an und frage mich auch oft, wo ich, bei Diesem oder Jenem falsch abgebogen bin, zu sehr von mir selbst auf die Kinder projeziert habe, zu gedankenlos, zu egoistisch, zu taktlos war.

Weißt Du, Mama, vielleicht ist es zu spät, zu lange her, als dass wir alles wieder ordnen könnten. aber mal ehrlich … ist das wirklich noch wichtig? Ein halbes Leben ist darüber vergangen, unsere Wege sind so weit auseinandergedriftet, wie es die Wege von zwei Menschen nur können.

Aber, vielleicht deshalb, wegen der Entfernung, sehe ich Dich heute anders, sehe Dich als die fleißige, kluge und charismatische Frau, die Du tatsächlich immer warst, mit Fehlern – so wie ich auch.

Wenn Du jemals Fehler gemacht hast, Mom, so mach Dir keine Vorwürfe. Du hast getan, was Du für richtig hieltst. Nur glaube mir heute – ich habe genau asselbe gemacht. Ich habe niemals wirklich gegen Dich gekämpft, sondern meistens nur gegen mich selbst.

Und wenn ich auch noch immer nicht um Verzeihung dafür bitten kann, gewesen zu sein, wie ich nun eben mal bin, hoffe ich doch ganz einfach, dass Du mir glaubst, dass ich Dich lieb habe und, was immer ich früher gesagt habe – es auch immer gehabt habe.

Xela

Leave a Reply

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>