Der letzte Tag – die letzte Nacht

Von der Sekunde an, in der ein Kind geboren wird, beginnt es, sich von seinen Eltern zu lösen.

Das ist anfangs gar nicht zu merken. Erst atmet es allein, irgendwann isst es allein, es krabbelt, läuft, spricht … geht die ersten Wege allein, verbringt Stunden mit Freunden und nicht mehr mit uns.

Wo mehrere Geschwister da sind, bemerkt man das beim Einzelnen gar nicht so stark.

Aber … irgendwann … löst man das letzte Problem gemeinsam mit dem letzten seiner Kinder, verbringt die letzten Stunden in altvertrauter Gemeinsamkeit, bevor dann auch das letzte Kind Segel setzt und uns noch einmal zuwinkt, bevor es, evtl. mit einem anderen Partner, auf jeden Fall aber mit neuen Zielen, dem Horizont entgegensegelt.

Man besucht sich auch danach noch, man telefoniert, man ist vetraut – und doch ist auf einmal alles anders.

Unmerklich rückt dieser Moment im Leben jedes Kindes näher und näher. Als Eltern denkt man manchmal darüber nach, merkt, wie schnell die Zeit vergeht, freut sich über Ereignisse, die den letzten Augenblick noch einmal hinausschieben, auch wenn man weiß, dass es nur noch geborgte Zeit ist.

Ich sollte nicht traurig sein. So viele Dinge gibt es noch zu realisieren, so viele Türen gehen jetzt erst überhaupt auf. Und … ich hatte lange, lange immer wieder Aufschub.

Aber diese Nacht ist die Nacht der Nächte. Das letzte Problem ist gelöst, das Zimmer nebenan, immer der Kern der Liederlichkeit, unnatürlich sauber, wartet darauf, sich zu leeren, selbst mein Kätzchen scheint zu spüren, dass sich etwas verändert und schläft noch einmal da drüben.

Es ist schon so lange klar und doch kullern die Tränen. Es ist etwas anderes, wenn es endgültig ist, irgendwie unabwendbar, scheints. Nein, ich bedaure es nicht. So viele schöne Stunden, lustige Erlebnisse hat es gegeben und wird es noch geben. Nur eben anders. Ein wichtiger Faden reißt heute nacht und es tut weh, ob man es zugibt oder nicht.

Diese eine Nacht darf man mal traurig sein. Denn morgen geht das Leben weiter … eigentlich unverändert. Und doch ganz anders.

Xela

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